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Shopify Steuern einrichten: So stimmt die Mehrwertsteuer

Inhaberin eines kleinen Online-Shops für Keramik sitzt mit Tasse am Laptop in ihrem Atelier

Shopify Steuern einrichten: Warum sich der genaue Blick lohnt

Shopify rechnet im Checkout die Umsatzsteuer aus, zeigt sie dem Kunden an und schreibt sie in jede Bestellung. Was dort steht, landet später auf der Rechnung, in der Buchhaltung und in der Umsatzsteuer-Voranmeldung. Stimmen die Steuereinstellungen im Shop nicht, zieht sich der Fehler durch alle diese Stationen. Und er fällt oft erst auf, wenn hunderte Bestellungen betroffen sind.

Wichtig ist dabei eine Grenze, auf die Shopify selbst hinweist: Der Shop berechnet die Steuer, abführen und melden musst du sie selbst. Ob ein Steuersatz richtig ist, entscheidet das Umsatzsteuergesetz und nicht die Voreinstelung des Shops. Dieser Beitrag geht die Einstellungen durch, die für Händler in Deutschland am wichtigsten sind: Brutto- oder Nettopreise, ermäßigte Steuersätze, Versandkosten, Verkäufe ins EU-Ausland, Firmenkunden, Kleinunternehmer und Kunden außerhalb der EU. Am Ende steht eine Liste mit Testbestellungen, mit denen du prüfst, ob alles passt.

Shopify ändert seine Oberfläche regelmäßig, und je nach Tarif und Steuerdienst sehen die Einstellungen etwas unterschiedlich aus. Die Bezeichnungen in diesem Beitrag entsprechen der deutschen Shopify-Hilfe zum Zeitpunkt des Schreibens.

Wo die Steuereinstellungen liegen

Die Steuereinstellungen findest du im Shopify-Adminbereich unter Einstellungen > Steuern und Zollgebühren. Dort gibt es drei Bereiche, die zusammenspielen:

  • Regionen, in denen du Steuern erhebst. Für einen deutschen Shop ist das zuerst Deutschland, dazu je nach Situation die Europäische Union.
  • Allgemeine Steuerberechnung. Hier legst du fest, ob deine Preise die Steuer schon enthalten und wie Versandkosten besteuert werden.
  • Überschreibungen. Damit bekommen einzelne Produkte oder der Versand einen anderen Steuersatz als den Regelsatz.

Die Anschrift deines Shops in den allgemeinen Einstellungen bestimmt, welches Land Shopify als Heimatland behandelt. Steht dort noch eine alte Adresse oder ein falsches Land, rechnet der Shop von Anfang an mit dem falschen Steuersatz. Das ist der erste Punkt, den du prüfen solltest.

Bruttopreise oder Nettopreise

Wer an Verbraucher verkauft, muss nach der Preisangabenverordnung Gesamtpreise angeben, also Preise einschließlich Umsatzsteuer. Für einen Shop mit Privatkunden gehört deshalb die Einstellung Umsatzsteuer in Produktpreis und Versandtarif einbeziehen eingeschaltet. Ein Produkt, das du mit 29,90 Euro anlegst, kostet dann auch im Checkout 29,90 Euro, und Shopify rechnet die enthaltene Steuer heraus.

Ein Shop, der ausschließlich an Unternehmen verkauft, darf Nettopreise zeigen. Er sollte dann aber deutlich machen, dass sich das Angebot nur an Geschäftskunden richtet, und das auch ernst meinen. Gemischte Shops bleiben meist bei Bruttopreisen, weil sonst Privatkunden Preise ohne Steuer sehen.

Spannend wird die Einstellung bei Verkäufen in andere EU-Länder, sobald dort die Umsatzsteuer des Ziellandes gilt. Shopify kann Bruttopreise je nach Markt gleich lassen oder neu berechnen. Bleibt der Bruttopreis gleich, ändert sich dein Nettoerlös mit jedem Steuersatz:

Nettoerlös bei gleichem Bruttopreis von 119 Euro: Deutschland 100,00, Luxemburg 101,71, Österreich 99,17, Ungarn 93,70 Euro

Bei einem Produkt für 119 Euro verdienst du an einem Kunden in Ungarn über sechs Euro weniger als an einem Kunden in Deutschland. Bei kleinen Margen kann das den Gewinn einer ganzen Bestellung auffressen. Ob du das in Kauf nimmst oder die Preise pro Markt anpasst, ist eine Entscheidung über deine Preise. Die Steuer selbst bleibt in beiden Fällen dieselbe.

Ermäßigte Steuersätze für einzelne Produkte

Bücher, viele Lebensmittel und einige weitere Waren werden in Deutschland mit 7 Prozent besteuert. Ohne passende Kategorie oder Überschreibung rechnet Shopify mit dem Regelsatz. Für ermäßigte Produkte gibt es zwei Wege: Mit Shopify Tax ordnet der Shop Produkte über Produktkategorien einem Steuersatz zu. Ohne diesen Dienst legst du eine Kollektion mit allen ermäßigten Produkten an und hinterlegst dafür eine Produktüberschreibung mit dem passenden Steuersatz.

Beide Wege haben dieselbe Schwäche: Ein neues Produkt, das in der falschen Kategorie oder in keiner Kollektion landet, bekommt stilschweigend 19 Prozent. Das ist teurer, als es klingt. Steht auf einer Rechnung zu viel Umsatzsteuer, kann der ausgewiesene Betrag geschuldet sein, bis die Rechnung berichtigt ist. Steht zu wenig drauf, zahlst du die Differenz aus deiner eigenen Tasche. Bei jedem neuen Produkt lohnt deshalb ein kurzer Blick, welcher Steuersatz tatsächlich berechnet wird.

Verkaufst du mit Steuer des Ziellandes in andere EU-Länder, wird es noch etwas komplizierter. Ermäßigte Sätze sind in der EU nicht einheitlich. Ein Produkt, das in Deutschland 7 Prozent hat, kann in einem anderen Land einen anderen ermäßigten Satz oder den Regelsatz haben. Die Überschreibungen musst du dann pro Region pflegen.

Versandkosten richtig besteuern

Versandkosten sind keine eigene Leistung, sondern eine Nebenleistung zur Warenlieferung. Sie teilen deshalb den Steuersatz der Ware. Bei einer Bestellung mit ausschließlich Büchern gelten für den Versand 7 Prozent, bei einer Bestellung mit Elektronik 19 Prozent. Stecken beide Steuersätze in einer Bestellung, werden die Versandkosten in der Regel im Verhältnis der Warenwerte aufgeteilt.

In Shopify gibt es Einstellungen dafür, ob und mit welchem Satz der Versand besteuert wird, außerdem Versandüberschreibungen für einzelne Regionen. Wie der Shop eine gemischte Bestellung genau behandelt, hängt vom Steuerdienst und von deinen Einstellungen ab. Prüfe das mit einer Testbestellung, in der ein Produkt mit 7 Prozent und eines mit 19 Prozent liegen. Passt das Ergebnis nicht zu deiner Buchhaltung, besprich die Lösung mit deiner Steuerberatung, bevor tausende Bestellungen so durchlaufen.

Verkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern

Für Privatkunden im EU-Ausland gilt eine gemeinsame Schwelle von 10.000 Euro netto im Jahr für alle Verkäufe in andere EU-Länder zusammen. Maßgeblich sind das Vorjahr und das laufende Jahr. Bleibst du darunter, berechnest du deutsche Umsatzsteuer. Wird die Schwelle im laufenden Jahr überschritten, gilt ab diesem Verkauf die Steuer des jeweiligen Ziellandes, die du in der Regel über den One-Stop-Shop beim Bundeszentralamt für Steuern meldest.

Shopify bietet für die Region Europäische Union dazu drei Varianten an:

Variante in ShopifyPasst, wenn
Erhebung über die Registrierung im Heimatlanddeine Verkäufe an Privatkunden im EU-Ausland unter 10.000 Euro bleiben
Erhebung über eine One-Stop-Shop-Registrierungdu über der Schwelle liegst oder freiwillig die Steuer des Ziellandes berechnest und beim OSS registriert bist
Lokale USt-Registrierungdu in einem Land selbst steuerlich registriert bist, etwa wegen eines Lagers dort

Die Umstellung auf OSS ist nicht nur ein Schalter im Shop. Die Registrierung beim Bundeszentralamt gehört dazu, und die OSS-Meldung gibst du vierteljährlich selbst ab. Behalte die Schwelle im Blick. Shopify nimmt dir die Entscheidung, wann du sie überschritten hast, nicht ab.

Firmenkunden mit USt-IdNr.

Bestellt ein Unternehmen aus einem anderen EU-Land Ware und nennt eine gültige USt-IdNr., ist die Lieferung unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei. Shopify kann dafür im Checkout ein Feld für die USt-IdNr. des Unternehmens anzeigen und die Bestellung dann ohne Steuer berechnen. In der Shopify-Hilfe heißt das Reverse Charge. Für Warenlieferungen spricht das deutsche Umsatzsteuerrecht aber von einer steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferung, und genau dieser Hinweis gehört auf die Rechnung.

Der Shop nimmt dir außerdem nicht ab, die Nummer zu prüfen, die Lieferung nachzuweisen und in der Zusammenfassenden Meldung anzugeben. Was dafür nötig ist, steht ausführlich im Beitrag Innergemeinschaftliche Lieferung. Für Firmenkunden in Deutschland ändert sich nichts: Sie zahlen ganz normal deutsche Umsatzsteuer, auch wenn sie eine USt-IdNr. haben.

Kleinunternehmer mit Shopify

Als Kleinunternehmer berechnest du keine Umsatzsteuer. Im Shop heißt das: Die Steuererhebung für Deutschland bleibt ausgeschaltet, und nirgends darf ein Hinweis wie „inkl. 19 % MwSt.“ stehen. Solche Texte stecken oft nicht in den Steuereinstellungen, sondern im Theme, etwa unter dem Preis auf der Produktseite oder im Warenkorb. Sinnvoll ist stattdessen ein kurzer Hinweis, dass wegen der Kleinunternehmerregelung keine Umsatzsteuer berechnet wird.

Wächst der Umsatz, muss der Shop rechtzeitig umgestellt werden. Die aktuellen Grenzen und was beim Überschreiten passiert, erklärt der Beitrag Kleinunternehmerregelung 2026. Wichtig für den Shop: Wer die Grenze im laufenden Jahr überschreitet, muss ab dem betreffenden Umsatz Umsatzsteuer berechnen. Die Preise, die Steuereinstellungen und die Texte im Theme sollten dann an einem Tag gemeinsam umgestellt werden.

Kunden außerhalb der EU

Lieferungen in die Schweiz, nach Großbritannien, Norwegen oder in die USA sind in Deutschland als Ausfuhrlieferung steuerfrei, wenn du die Ausfuhr nachweisen kannst. Der Kunde zahlt in seinem Land Einfuhrabgaben, sofern du die Zölle und Steuern nicht selbst übernimmst. Prüfe für diese Märkte, ob im Checkout Steuer berechnet wird und ob die Preise mit oder ohne deutsche Umsatzsteuer angezeigt werden, damit der Kunde nicht überrascht wird.

Einige Länder, darunter Großbritannien und die Schweiz, verlangen von ausländischen Händlern unter bestimmten Umständen eine eigene steuerliche Registrierung, etwa bei kleinen Sendungen an Privatkunden. Wer regelmäßig dorthin verkauft, sollte das vorab klären.

Testbestellungen: So prüfst du die Einstellungen

Die zuverlässigste Prüfung ist nicht der Blick in die Einstellungen, sondern eine Reihe von Testbestellungen. Nutze dafür den Testmodus deiner Zahlungsabwicklung und kontroliere bei jeder Bestellung Steuersatz, Steuerbetrag und Versandkosten.

Sechs Testbestellungen zur Prüfung der Shopify-Steuereinstellungen mit erwartetem Ergebnis

Notier dir die Ergebnise. Wenn du später etwas an den Einstellungen änderst, zum Beispiel beim Wechsel zu OSS, wiederholst du die Tests und siehst sofort, ob sich etwas verschoben hat. Stornier die Testbestellungen danach, damit sie nicht in deiner Buchhaltung landen.

Häufige Fehler in den Steuereinstellungen

  • Neues Produkt ohne Überschreibung. Ein Kochbuch landet nicht in der Kollektion für 7 Prozent und wird monatelang mit 19 Prozent verkauft.
  • OSS im Shop aktiviert, aber nicht registriert. Der Shop berechnet österreichische Steuer, gemeldet wird aber nichts.
  • Schwelle überschritten, Shop nicht umgestellt. Die Verkäufe laufen weiter mit deutscher Steuer, obwohl längst die Steuer des Ziellandes gilt.
  • Kleinunternehmer mit Steuerhinweis im Theme. Auf der Produktseite steht „inkl. MwSt.“, auf der Rechnung keine Steuer. Das passt nicht zusammen und verunsichert Kunden.

Shopify-Steuern und billware

Wenn du deinen Shopify-Shop mit billware verbindest, entstehen die Rechnungen aus deinen Bestellungen. Auf der Rechnung stehen die Steuersätze, die Shopify für die einzelnen Positionen berechnet hat, bei Brutto- wie bei Nettopreisen. Deshalb sind richtige Steuereinstellungen im Shop die Grundlage für richtige Rechnungen. In den Einstellungen des Shopify-Importers legst du fest, ob Rechnungen automatisch erstellt und verschickt werden, ob nur bezahlte Bestellungen berücksichtigt werden und ob das Bestell- oder das Zahlungsdatum als Rechnungsdatum gilt. Kleinunternehmer stellen die Kleinunternehmerregelung einmal im Konto ein. Für steuerfreie Lieferungen an Firmenkunden im EU-Ausland gibt es beim Auftrag die Auswahl für die innergemeinschaftliche Lieferung. Mehr zur Anbindung steht auf der Seite billware für Shopify.

Häufige Fragen

Berechnet Shopify die Steuer automatisch richtig?

Shopify berechnet die Steuer nach deinen Einstellungen. Ob die Einstellungen zu deinen Produkten und Kunden passen, musst du selbst prüfen. Die Verantwortung für die richtige Steuer bleibt beim Händler.

Muss ich meine Shopify-Preise ändern, wenn ich zu OSS wechsle?

Nicht zwingend. Du kannst die Bruttopreise gleich lassen und akzeptierst dann je nach Land einen etwas anderen Nettoerlös. Oder du passt die Preise pro Markt an. Beides ist zulässig, solange der Kunde den Endpreis vor der Bestellung sieht.

Wie gehe ich mit Rabattcodes um?

Ein Rabatt mindert das Entgelt und damit auch die Umsatzsteuer. Gilt ein Rabatt für eine ganze Bestellung mit verschiedenen Steuersätzen, wird er anteilig auf die Steuersätze verteilt. Prüfe auch das mit einer Testbestellung.

Brauche ich für jedes EU-Land eigene Steuersätze im Shop?

Nur, wenn du mit der Steuer des Ziellandes verkaufst. Solange du unter der Schwelle von 10.000 Euro bleibst und keine Registrierung im Ausland hast, genügt der deutsche Steuersatz.

Artikel: Stand vom 15. September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Gesetze und die Auffassung der Finanzverwaltung können sich seitdem geändert haben. Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Unternehmensberatung dar. Für deine konkrete Situation wende dich bitte an eine Steuerberaterin oder einen Rechtsanwalt.
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